Kultur als Erlebnisgemeinschaft

Die Stadt  verfügt über kein eigenes Kulturamt. Es gibt dennoch einen Ausschuss, der gleichzeitig auf politischer Ebene die Angelegenheiten in den Feldern Sport, Schulen und Kultur wahrnimmt.

Um dem Faktor Kultur als Stadtkultur die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken, kam es 1989 zur Gründung eines Kulturvereins, genannt Waldbröler Kulturtreff, der  u.a. die Veranstaltungsaktivitäten der auf kulturellem Gebiet tätigen Vereine und Einrichtungen in einem städtischen Programm öffentlich darstellen sollte. Dieses  Programm erschien lange Jahre hindurch halbjährlich und wurde inzwischen durch das umfassendere Programm "Waldbröl erleben" abgelöst.  Eine Webseite informiert weiterhin  über Ziele und Vorhaben. Dazu gehörte. seit den Anfängen, daß  der Verein auf den Feldern Literatur und Bildende Kunst Vorhandenes weiter begleitete und eigene Initiativen entwickelte. Inzwischen gehören zu dem Verein mit seinen etwa 130 Mitgliedern des Weiteren ein Orchester und eine Theatertruppe, die einmal pro Jahr mit einer Neuproduktion an die Öffentlichkeit tritt. Informationen findet man unter www.wktheater.de . Regelmäßige Kunstausstellungen im Rathaus, Lesungen im Bürgerhaus und in den städtischen Buchhandlungen sind Teil des aktuellen kulturellen Angebots. Inwieweit damit den kulturellen Bedürfnissen der verschiednen Bevölkerungsgruppen Rechnung getragen wird, ist schwer einzuschätzen. Da die finanziellen Polster des Vereins begrenzt sind, sind zudem dem Engagement von auswärtigen Akteuren enge Grenzen gesetzt. Es mindert die Resonanz in einer Zeit. wo die Ansprüche der Konsumenten sich gern an den Auftritten in Fernsehen und überörtlichen Darbietungen orientieren.

 

Inzwischen ist der Kulturverein Teil einer Stadtentwicklungsinitiative, der in einem ersten Entwicklungsschritt außer der Stadtverwaltung vier weitere Vereine, der Einzelhandelsverein WEW , der Handwerkerverein, der Gewerbe- und Industrieverein (GIV) und der städtischen Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) angehören. Eine gemeinsame Geschäfts- und Informationsstelle befindet sich in der Innenstadt (Hochstr.11). Dort gibt es auch eine aufwändig gestaltete Imagebroschüre über die Stadt Waldbröl, weiteres Informationsmaterial und Auskunft über die aktuelle Entwicklung.im Stadtgeschehen.

Dass den Kirchen, die außer den Schulen und einigen Vereinen in vergangenen Jahrhunderten die örtliche Kultur weitgehend allein getragen haben, in diesem Feld auch heute noch, und dies nicht nur in den eigenen Reihen, eine bedeutende Rolle zukommt, ist ein Element dieser regionalen Kulturlandschaft. Musikalische Darbietungen in den Kirchen und religiösen Gemeindezentren gehören zum festen Angebot. Dass eine seit einigen Jahren bestehende sommerliche Kulturveranstaltung unter dem Namen „Kultur- und Musikfestival“ aus dem kirchlichen „Musiksommer“ vorangegangener Jahre hervorging, belegt diesen Zusammenhang. Die Tätigkeit der Kirchen und angeschlossenen Gruppen im sozialen Sektor trägt ebenso wie ihr Einfluss auf die Schulkultur ihr Ansehen mit. Gerade in einer Zeit wachsender Vielfalt, zunehmend älterer Bevölkerung und abnehmender Gesamtbevölkerung ist ihr auf Toleranz und Überwindung der gesellschaftlichen Spannungen ausgerichtetes Angebot gefragt.

Unter den Vereinen nehmen neben den Sportvereinen mit ihren zahlreichen Untergruppen die musikalischen Vereine und der aktive Verkehrs- und Verschönerungsverein einen besonderen Rang ein. Dass sie sich ähnlich wie die Kirchen als in der Tradition verwurzelt begreifen, sie diese Traditionen fortsetzen und mit der Gegenwart in Einklang bringen möchten, begründet ihre Stärke im ländlichen Raum. Sie nehmen allerdings auch wahr, dass ihnen der Zugang zu neuen Mitgliedern, etwa aus dem Kreis der zahlreich zugezogenen Auslandsdeutschen und Migranten versagt bleibt, da diese glauben, vorrangig ihre eigenen Traditionen pflegen zu sollen.