Haus Waldesruh 1920

a) Anlass und Situation

Unter den schwarzen Augenblicken der deutschen Geschichte des 20. Jhs. war der verlorene Krieg von 14-18  (Ende 11.11.18) einer der dunkelsten. Und dies nicht nur, weil er einer der für Europa folgenreichsten und der erste technisch hochgerüstete mit entsprechend zahlreichen und schweren Opfern war. Ganze Bibliotheken sind entstanden, die sich mit der Frage des Hergangs, der Ursachen und Folgen beschäftigten.

Weil der Krieg das eigene Land anders als die westlichen Nachbarn räumlich verschonte und die materiellen Zerstörungen im Vergleich gering waren, zog dort bald wieder eine Art Normalität ein. Das betraf etwa die rheinischen Teile Preußens und  die hiesige Gegend, die unterschiedlich betroffen waren, aber bald wieder den sprichwörtlichen Mut der Verzweiflung fassten. Das klingt in der lokalen Presse bei wechselnden Gelegenheiten an.

Ein Gebäude, das 1902 in privater Initiative entstand und später in den Besitz des Landes überging, ist das lange als Forsthaus bezeichnete Gebäude mit weitläufigem Anwesen am Bitzenweg, das nach Übergang in Landesbesitz ebenso als Forstamt diente wie auch eine Weile als Polizeistandort. Ob die besagte Eisenhandlung die Anlage damals übernahm, ist als Geschichtsdetail in der Entwicklung des Hauses derzeit nicht zu erkennen. Eine Geschichte der Eigentümer steht aus.

Dass die Anlage  im weiteren Verlauf im Besitz des Landes, weiterhin zu den Juwelen des Ortes gehört, spricht nicht nur für den damaligen Bauherrn, sondern auch für den späteren Umgang mit der Immobilie.

Der folgende Text entstand kurz nach dem Krieg und stammt aus der WZ  des beginnenden Jahres 1920. Er spiegelt die führende lokale Rolle des Provinzblattes, die vorübergehend abflauende Betroffenheit von den Kriegsfolgen, den allgemeinen Wiederaufbauwillen wie auch den Willen der Redaktion, Lokales in einen gesellschaftspolitischen und beginnenden touristischen Zusammenhang zu stellen. Leider wurde diese Entwicklung zunächst unterbrochen. Werbung für den Ort spielt indes bereits eine deutliche Rolle, ebenso wie die Sorge um den Immobilienbestand und die Gesundheit der Bevölkerung. Einen Beitrag zur Heilung der Kriegswunden zu leisten, ist erkennbar. Ebenso der Wunsch, der  Zukunft des Ortes einen Dienst zu tun.

 

b) Text

Die hinter uns liegenden Unglücksjahre mit ihrer nervenzerrüttenden kräfteverbrauchenden Wirkung haben in unserem Volk tiefe Wunden hinterlassen, die noch lange Zeit der Ausheilung bedürfen und ein jeder, der dazu beitragen kann, diese Wunden in Seele und Körper zu heilen, sollte es als eine unabweisbare Pflicht betrachten, hilfreiche Hand zu bieten. Tatsächlich regen sich auch überall in unserm deutschen Volke trotz der ungeheuren Belastung hilfreiche Hände, bereit, bei der Wiederaufrichtung zu helfen. So wurde uns bekannt, dass die einer alten Kölner Familie gehörige Waldbröler Besitzung „Haus Waldesruh“ von einer Kölner Handelsfirma , der Eisengroßhandlung Jac. Ziegler, zu dem Zwecke erworben wurde, ein Erholungsheim für ihre mehr als hundert Angestellten daraus zu machen.

 In der Tat eignet sich diese Besitzung mit ihrem schattigen Waldbestande, ihren Spazierwegen, Turn- und Spielplätzen , ihren Teichen, Garten- und Obstanlagen und dem eine entzückende Fernsicht bietenden Turm wie kaum eine andere zur Verwendung als Erholungsheim. besonders da auch die reine Berg- und Waldesluft von Waldbröl sehr zur Kräftigung der Gesundheit beiträgt ¸wird doch gerade Waldbröl und seine schöne Umgebung von vielen abgearbeiteten und erholungsgbedürftigen Großstädtern aufgesucht. Möge diese schöne Heimstätte recht vielen der Erholung Bedürftigen zum Segen gereichen.