W. Hollenberg – 1885 Befürworter der später sog. „Zwergschulen“ . Seine Gründe.

a) Situation und Anlass

 

Die folgende, der Pfarrchronik der ev. Kirche im Auszug entnommene Eintragung zum Jahr 1885 ist ein deutlicher Beleg für die Arbeit des ehemaligen Kreisschulpflegers und für sein verantwortliches Eintreten vor Ort zur  Hebung des Elementarschulwesens. Der Schreiber war damalsAnfang sechzig, seit 1853 Ortspfarrer und er war einige Jahre hindurch neben seinen Verpflichtungen am Ort  als Abgeordneter in Berlin tätig gewesen. Seit 1876 war er  aufgrund des Schulaufsichtsgesetzes von 1872 nicht mehr als ev. Kreisschulpfleger im Amt. Die zusammengelegten Schulen  der Kreise Gummersbach und Waldbröl wurden inzwischen von  einem staatlichen Schulpfleger im Auftrag der Regierung beaufsichtigt. Dennoch fühlt sich der Schreiber, Superintendent ab 1886/1887 [1], für die Entwicklung des Schulwesens  im Rahmen seiner Möglichkeiten mit verantwortlich. Der vorliegende kurze Eintrag ist einer der wenigen nur mit schulischen Entwicklungen befassten  Jahresvermerke. Der Anlass geht aus der Passage selbst hervor.

 

 

b) Text

1885

In diesem Jahr wurde das 4 klassige Schulgebäude vergantet [als Auftrag vergeben] und ausgeführt. Vergebens erbat sich Schreiber dieses [Eintrags] Aufschub der Inangriffnahme des Baues bis zur Beantwortung der von ihm eingereichten Immediat- Eingabe. Er versuchte den Nachweis zu liefern, dass durch die Einrichtung einer 4 klassigen Schule die Ausbildung zweckmäßiger Schulsysteme in der Umgegend des Dorfes Waldbröl verhindert und dadurch, dass die Kinder zu weite Wege zu machen hätten, die Schullast [ im Original verbessert, daher unleserlich: ggf.Schullust] ungemein und unnöthig vermehrt werde. Es wurde auf die klimatischen Verhältnisse, die häufigen Niederschläge , Sommer und Winter, die Dürftigkeit der Bewohner und Unzulänglichkeit und Mangelhaftigkeit der Kleidung  und Nahrung der Schüler unter solchen schlimmen Umständen hingewiesen. Die Behauptung, dass die Leistungsfähigkeit der Schule wegen des höchst unregelmäßigen Schulbesuchs, der durch das Angeführte sich  naturgemäß ergäbe, eine ungenügende sei, und kaum an die einer guten einklassigen Schule heranreiche, wurde durch den Hinweis auf die Probearbeiten der Abiturientia [kaum lesbar, ggf. Abiturienten]  Ostern dieses Jahres begründet. Alles vergebens. Der Vorschlag eine einklassige Schule zu Niederhof und eine 3 klassige in Waldbröl oder aber 2 einklassige Schulen zu Niederhof und bei Haan  und eine 2 klassige zu Waldbröl einzurichten, wurde verworfen und das erwähnte  Local gebaut.

Die Verhandlungen, die wegen dieser Angelegenheit mit der königlichen Regierung und dem Minister von Goßler gepflogen worden , sind ins Pfarrarchiv aufgenommen.

Die Jahresernte war im Ganzen eine recht ergiebige, auch fehlte es nicht an Obst, sodaß man wohl sagwen kann, dass eine erfreuliche Anregung zur Obstbaucultur davon ausging. Doch war der Witterungswechsel ein so ungünstiger, dass jeder günstige Augenblick benützt werden musste, die reichliche Ernte einzuheimsen. Im Laufe des Oktobers trat der erste Frost ein….

 

 

 

 

[1] Einführung am 9.3.1887 , Wahl 1.9.1886. -  Zu  Text und Transkription: einige Abweichungen in früheren Übertragungen wurden korrigiert