Waldbröl wird „Stadt“ (1957)

 

a) Situation und Anlass

 

Nach langem Vorlauf und entsprechender Vorbereitung in den Gremien war die Bitte des Gemeinderats und der Bürgerschaft von 1956 im Folgejahr von Erfolg gekrönt, den Ort , der schon lange auf dem besten Weg dahin  gewesen war, in den Rang einer „Stadt“ zu erheben. Sie gewann damit, was fünf andere Orte im Oberbergischen als Stadtrang und auch Stadtrecht schon viel früher in anderen historischen Konstellationen erworben hatten: Wipperfürth 1217, Bergneustadt 1301, Radevormwald 1316, Gummersbach 1857 und Hückeswagen 1859. Weitere sollten sich anschließen. Waren im Mittelalter Abgabenbefreiung und städtische Unabhängigkeit, Mauerrecht, Markrecht und eigene Gerichtsbarkeit in vielerlei Varianten  städtische Privilegien („Stadtluft macht frei“ ) gewesen, im Preußen des 19. Jh. abgelöst durch Elemente der Selbstverwaltung bei vorausgesetzter  Größe der Einwohnerschaft, so waren nach der Gemeindeordnung von NRW Mitte des 20. Jh. nur mehr Titel und Würden zu gewinnen, die eine sog. Entwicklungsfähigkeit und ein städtisches Gepräge zur Voraussetzung hatten. Was den Akzent auf wirtschaftliche und kulturelle Dynamik legte. Als Marktstadt festigte der Ort ältere Ansprüche oder erwarb nach dem Krieg als Garnisonsstadt, Akademiestandort  und Schulstadt neue Momente städtischer Repräsentanz  hinzu.

 

Im Einzelnen war dies ein langwieriger Prozess. Anläufe hatte es mehrere gegeben. An Aufschwung und Wandel hatte es, seitdem Waldbröl Kanton, Kreishauptort und ab Mitte des 19.Jh. dynamisch sich entwickelnder landwirtschaftlicher Mittelpunkt im Süden des Bergischen war, nicht gefehlt. Manches stand dennoch nur zu oft entgegen. Alte Rivalitäten nicht ausgenommen. Schon während der Weimarer Republik glaubte man, dem Ziel ganz nahe zu sein, erst recht zu Beginn der Dreißiger Jahre. Krieg und Zusammenbruch erwiesen sich als wenig förderlich. Momente der Wirtschaftskraft, der Werbung und Imagepflege  traten neben den historischen Gründen schließlich in den Vordergrund. Zentralität und Attraktivität wurden neuer Inbegriff städtischen Wachstums. Was auch den endlich zur Stadt gewordenen Ort einem schwierigen Wettbewerb und Marktgeschehen bis in die Gegenwart aussetzt.

 

b)Text 

 

Die Gemeinde Waldbröl im oberbergischen Kreis, entstanden aus einer jahrhundertealten Siedlung, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem bedeutenden Mittelpunkt im Oberbergischen Raum entwickelt und in ihrem Siedlungskern durch die zum Wohle ihrer Bürger geschaffenen Einrichtungen städtisches Gepräge erlangt. Beachtliche soziale und kulturelle Leistungen der Gemeinde legen Zeugnis ab von dem Gemeinsinn und der Aufgeschlossenheit ihrer Bürger. Weitschauende Planungen begründen die Erwartung, daß die Gemeinde auch ihren künftigen Aufgaben gerecht wird.

In Würdigung dieser Entwicklung und Strebens der Bürgerschaft hat die Landesregierung durch Beschluß vom 5. Februar 1957 der Gemeinde die Bezeichnung „STADT"   verliehen.

Düsseldorf, 5. Februar 1957