Waldbröls erster Landrat und die Familie Zuccalmaglio

ein Kapitel Orts- und Familiengeschichte am Beginn des 19.Jh

 

Nach den Gebietsneuordnungen des Wiener Kongresses und der Neuordnung der Rheinlande unter preußischer Herrschaft trat der erste Landrat des Kreises Waldbröl Heinrich Joseph Joesten (1763–1829) sein Amt im Mai 1816 an. Seine Ernennung zum Landrat durch den Kölner Regierungspräsidenten erfolgte (lt. Budde)  1818 . Er hatte bereits unter der vorangehenden napoleonischen Herrschaft als Friedensrichter die Leitung des seit 1809 bestehenden französischen Cantons Waldbröl innegehabt und dabei den Aufstand von 1813 erlebt.. Zum Lebenslauf des durch Familie und Beruf eng mit Much verbundenen Juristen vgl. den Artikel in wikipedia . Wie sein Vater Johann Andreas Joesten war er nach der Ausbildung zunächst Rechtsberater am Amt Windeck mit Sitz in Waldbröl.

 

Die Familien Joesten und Zuccalmaglio kannten sich seit langem. Schon die Großeltern pflegten in Mülheim am Rhein freundschaftlichen Kontakt. Für den fünfundzwanzigjährigen Jakob Salentin Zuccalmaglio (1775-1838), den Vater von Anton Wilhelm, war das Amt, das er 1800 in Waldbröl. kurz vor seiner Hochzeit auf Schloss Burg angetreten hatte, eine erste Berufsstelle nach der Ausbildung. Er sollte es vor Ort nur für drei Jahre innehaben.

 

Es liegt nahe, dass bei der Anstellung und der Wahl des Ortes die Bekanntschaft mit dem ältern Joesten nicht zufällig war, zumal Heinrich Joestens Bruder, der auch als Taufpate des jüngsten Bruders von Salentin auftaucht, bis 1800 diese Stelle innehatte. 1803 wird als erstes von sechs Kindern Anton Wilhelm in der heutigen Hochstraße 11 geboren. Noch im selben Jahr verlassen die Eltern den Ort. Die jungverheirateten Eltern ziehen zuerst nach Opladen und dann nach dem ländlichen Schlebusch in die Nähe der Großeltern. Dort wirkte der Vater hinfort als Rechtsanwalt und zugleich als napoleonischer Maire, nach Abzug der Franzosen dann auch preußischer Bürgermeister. Hier spielte sich auch die früheste Jugend Anton Wilhelms wie die seines jüngeren Bruders Vincenz ab.

            

Als Heinrich Joesten, der ehemalige erste Landtat des Kreises Waldbröl und Freund der Familie 1829 starb und in Much beerdigt wurde, publizierte der inzwischen selbst 26-jährige Anton Wilhelm in der „Kölnischen Zeitung” ein langes Preisgedicht auf den Waldbröler Landrat und Freund des Hauses, das bei Budde in dessen Buch, Waldbröl wie es wurde, was es ist, auf S. 60 nachzulesen ist.

 

Dass Zuccalmaglio , der so früh den Ort verlassen hatte, keine engere Beziehung zu seiner Geburtsstadt entwickeln konnte, - abgesehen davon, daß er sich gelegentlich des Pseudonyms "Wilhelm von Waldbrühl" bediente -  ergibt sich aus der Kürze und dem Zeitpunkt dieses Aufenthaltes beinahe zwangsläufig. Nur ein einziges Mal ist er, so scheint es,  später wieder an seinem Geburtsort gewesen.

 

In den „Erinnerungen ” heißt es darüber:

 

„Mit meinem Bruder machte ich eine Fahrt nach meinem Geburtsorte Waldbrühl, der zwischen der Agger- und dem Siegtale auf der Höhe des Gebirges liegt, damals noch durch keine Hauptstraße erreicht wurde. Da ich keine Erinnerung an die Gegend bei mir trug, ich nur im ersten Lebensjahr dort gelebt hatte, wehte es mich nicht sonderlich heimatlich an, doch sah ich die waldigen Kuppen, die über den Rodungen zerstreuten Wohnungen, nicht ohne Genugtuung. Von den Einwohnern kannte ich nur Goswin Joesten, der die Mülheimer Schule mit mir besucht hatte, aber schon in den höheren Klassen saß, wo ich noch in allem Anfänger war. Da er mit einer meiner Basen verheiratet lebte, sahen wir uns jetzt als Verwandte wieder, konnten von alten Zeiten erzählen.“ (Erinnerungen Bd.III,454)

 

Umso enger sollte später das Verhältnis der Geburtsstadt zu dem Dichter sein, der es im Bergischen ebenso wie sein Bruder Vincenz gen. Montanus zu Ruhm und Ansehen brachte.

 

Bildnachweis: Porträt als kleines Gemälde in den Sammlungen des Heimatmuseums Altwindeck/Sieg