Der große Brand in Bohlenhagen und die Folgen

Der große Brand in Bohlenhagen 1863 und die Folgen

 

Otto Budde 1981 in  „Waldbröl, wie es wurde, was es ist“,  berichtet über das Ereignis auf Seite 133 seines Buches[1]. Es war  dies vor der Gründung der freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1881 zwar nicht der letzte Brand im Kreis[2] , aber die Annahme ist vielleicht  berechtigt, dass er vielen in Erinnerung blieb und die Gründung nicht weniger beeinflusste als die willkommene Hilfe aus der Nachbarschaft.

Das Kreisblatt, das seit 1859 als Publikation aus dem Haus Flamm einmal in der Woche am Sonnabend in knapper Form von 4 Seiten erschien, berichtete im Übrigen schon am folgenden Tag am 15.8.1863 auf der Titelseite ausführlich

 

"Gestern Nachmittag brach in dem bei Waldbröl gelegenen Hofe "Bohlenhagen" ein Feuer aus, das sich bei der herrschenden Trockenheit und ziemlich starkem Süd-Westwinde mit einer Rapidität ausbreitete, welche die Einäscherung des ganzen Hofes befürchten ließ. Dem rechtzeitigen Herbeieilen der Spritzen gelang es, trotz des Mangels jeder anderen Feuerlöschgeräthschaften, der Flammen in soweit Herr zu werden, dass nur der halbe Hof, vier Häuser, sieben Scheunen, zwei Stallungen und eine Werkstätte in Asche gelegt wurden. Da die Roggen- und Heuernte bereits vollendet ist, und die Früchte nur von einer Person versichert, sonstige Mobilar-Versicherungen aber nicht genommen wurden, so ist der Schaden an Geräthschaften, Frucht und Vieh ein äußerst bedeutender. Von Immobilien war nur ein Haus, eine Scheune und die Werkstätte nicht versichert.

Die Eigenthümer dieser Gebäulichkeiten sind hart betroffen. Da die aus dem Grundsteuer-Deckungsfond zu erwartenden Beihülfen selbstredend kaum den kleinsten Teil des erlittenen Schadens zu vergüten vermögen.

Zum Glück ist kein Mensch in den Flammen umgekommen. Einer Mutter, die auf dem Felde war, gelang es durch Einstürzen und Hineinspringen durchs Fenster ihr Kind mit äußerster Lebensgefahr zu retten. Einige Sekunden später wäre auch ihr dies nicht mehr geglückt; sie selbst hat einige Verletzungen davongetragen.

Die Wohlthätigkeit der Privaten wird zur Darreichung einer ersten Unterstützung ebenso in Anspruch genommen werden müssen wie die Aufmerksamkeit der Staats- und Communalbehörden auf leichtfertigen Mangel aller Feuerlöschgeräthschaften zu richten ist. "

 

 

Auffällt: Die Wörter „Bohlenhagen“  und den Hinweis auf die vor Ort fehlenden  Löschvorrichtungen druckt das Blatt gesperrt und den letzten Abschnitt in fetter Schrift. Zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr kam es  unter Landrat Köppen erst Jahre später 1881, nachdem im Jahr davor bei einem der gehäuften  Brände vor Ort erkennbar wurde, dass im Bedarfsfall, und der kam immer wieder vor, geeignete Vorkehrungen, wie sie etwa die im September 1880 auch in Waldbröl hilfreiche Nümbrechter Wehr zeigte,  sehr nützlich waren und den üblichen  Schaden erheblich begrenzten.

 

Der MGV, den es als einen der ältesten Waldbröler Vereine seit 1862 gab; nutzte die Gelegenheit, um mit dem Angebot eines Konzertes einen Monat später, Ende September, im Sinne des letzten Abschnitts und der dortigen Aufforderung an die „Wohltätigkeit der Privaten“ auf sich aufmerksam zu machen. Im „Waldbröler Kreisblatt“ erschien eine Konzerteinladung recht bald  und noch einmal am 3.10. zusammen mit der Mitteilung des finanziellen Ergebnisses. Es kamen von den ca. 5000 Einwohnern der Bürgermeisterei umgerechnet etwa 200 Personen.  Der Eintritt  zu 5 Silbergroschen, auf den in der Anzeige hingewiesen wurde, erbrachte 32 Taler 25 Silbergroschen, die der Redaktion der Zeitung für die Opfer der Katastrophe anschließend überreicht wurden.

 

Überliefert ist von dem Ereignis zufällig auch der Bericht eines Jungen, der den Brand aus nächster Nähe miterlebte[3]

 

Was Ohm Wilhelm von dem Brand 1863 in Bohlenhagen erzählte

 

„Es war an einem schönen Julitag des Jahres 1863. Ich war noch keine 13 Jahre alt Im Hähner Siefen, der zwischen Bohlenhagen und Hahn liegt, half ich meinen Eltern beim Heumachen. Zwischen der Wiese und dem Ort Bohlenhagen lag der hohe Eichenkamp. Plötzlich sah ich hinter dem Kamp Rauch aufsteigen. Ich rief entsetzt:"Es brennt, es brennt!" Im nächsten Augenblick sahen wir auch schon die Flammen. Der Brand lag in der Mitte des Ortes, etwa in der Nähe der Lage unseres Hauses.Wir ließen alles stehen und liegen und rannten in den Ort. Dort sahen wir das Doppelhaus von Bitzer und Müller in hellen Flammen. Da Westwind wehte,sprang das Feuer schon auf die Häuser von Kraus und Vierbücher über. Gleich darauf wurde unsere Scheune, die abseits vom Hause stand, vom Brand erfaßt. Die Glut wurde so unerträglich, daß wir nichts retten konnten. Gleich darauf wurde der Wind stärker,wodurch das Feuer das Haus  Schenk und die Scheune von Schumacher ergriff. Das nächste Haus neben Schenks Haus war unseres. Vor unserem Hause stand ein großer Zuckerbirnbaum, an dem schon die Flammen leckten.

Aber er hielt den Sturm des Feuers aus. Auf unserem Dache hockte meine Mutter mit anderen Person und betete laut. Aus dem Ortsbrunnen[4] wurde Wasser geholt und in Ledereimern zum Dach herauf gereicht. Der Wind ließ nach. Das Hausdach wurde mit dem Wasser kalt gehalten. Von Waldbröl und den Nachbarorten kamen viele Leute, von denen sich eine Anzahl am Wassertragen beteiligte. Aber der Brunnen und der darunter liegende Weiher meines Vaters waren bald leer. Der genannte Zuckerbirnbaum verbrannte halb, lebte aber weiter.Er wird mich noch überleben

Die Häuser und Wirtschaftsgebäude, die der Brand erfaßt hatte, sanken zusammen und verkohlten. Es war ein furchtbarer Anblick. Fast die ganze Mitte des Ortes stand nicht mehr. Vollständig verbrannt waren die Häuser und Wirtschaftsgebäude von Müller, Bitzer, Vierbücher, Kraus und Schenk, sowie die Scheunen von Schumacher und meinem Vater Heinrich Simon. Bitzer und Schenk bauten wieder auf, die Familien Müller, Kraus und Vierbücher sind verzogen. Müller baute sich erst am Siefener Weiher oberhalb Bohlenhagen eine Hütte, dann verzog er nach Krahwinkel. Familie Kraus verzog nach Reinshagen bei Holpe[5]. Während des Brandes wurden alle kleineren Kinder auf den Kamp in sichere Hut gebracht und dort vom alten Frauen bewacht. Auch meine erst ein paar Monate alte Schwester Emma wurde mit der Wiege auf den Kamp gebracht. Die Obdachlosen wurden zuerst von den Nachbarn in ihren Häusern notdürftig untergebracht.

Es standen in Bohlenhagen nun nur noch die Häuser folgender Familien:

1.Wilhelm Simon, Buchbinder, jetzt Haus meines Bruders Eduard Simon. 2.Jakobs (Onkel),jetzt Haus von Hermann Mittler u. Frau Emma Jakobs  3.Christian Simon (genannt Christhännes), jetzt [wohnt dort] mein Onkel Wilhelm Simon, 4.Heinrich Simon (mein Vater), jetzt [wohnen dort] meine ledigen Geschwister und ich, .5.Ernst Wirths, [heute] August Wirths, 6.Christian Veller sen. Jetzt [wohnen dort Veller] jun. und zwei ledige Schwestern. 7.Wilhelm Schumacher sen., jetzt sein Sohn Wilhelm jun.

8. [Haus] Mai, [heute] Heinrich Helser mit Frau Wilhelmine Mai. [Hinzufügungen des Hg. in eckiger Klammer]

 Da es damals noch keine Feuerwehr gab[6], war mit Ausnahme der Steine alles verbrannt. Nur noch einige Balkenreste konnten als Brennholz verwertet werden. Es wurde in den ändern Ortschaften für die Geschädigten gesammelt, so daß die Leute vorerst etwas zu essen hatten. Es wurde nachher erzählt, daß brennende Strohgarben bis nach Schnörringen geflogen waren.

Im Jahre 1840, also 23 Jahre früher, war meines Vaters Haus und das damals angebaute Haus des Christian Simon verbrannt. Der Brand von 1863 war der letzte Brand in Bohlenhagen.“

 

Es war dieses sehr wahrscheinlich zusammen mit dem folgenden Konzert eins der Ereignisse, die auf die Gründung der freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1881 hinwirkten. Den letzten Großbrand im Kreishauptort selbst hatte es 1769 gegeben, als ein erheblicher Teil des alten Dorfes dem Feuer zum Opfer fiel. Überliefert ist für das Jahr 1769: Großer Brand im Dorf Waldbröl. 29 Wohngebäude und 13 Scheunen brennen nieder. Nur die beiden Kirchen und 7 zufällig  "meist schlechte Häuser“  bleiben vom Brand verschont. Kleinere Brände waren beinahe an der Tagesordnung.

Brände waren in alter Zeit, gleich wo,  wegen der Bauweise, der häufigen Brandstiftungen  und  der an manchen Orten fehlenden kommunalen Einrichtungen ein beinahe normales  Ereignis. Anlass für den Bau des Waldbröler Gymnasiums, heute als Rathaus genutzt und Kern des zukünftigen Bürgerdorfes, war noch 1905 der Brand in dem Gebäude, wo die 1861 gegr. private Höhere Bürgerschule provisorisch untergebracht war, seitdem das Haus des Bäckers Hoemann nicht mehr zur Verfügung stand.

 

[1] Vgl. das von W.Engelbert nachträglich erstellte Register des Buches,  im Auszug  unter www.waldbroel.biz/ Waldbröl im Bergischen/Nachgefragt jedermann zugänglich.

[2] Die meisten der folgenden Texte finden sich auch in der maschinenschriftliche Ortschronik von Bohlenhagen (S. 56 ff.)

[3] Der Autor Alfred Simon arbeitete lange bei der Gemeindeverwaltung in W.

[4] Vermutlich innerörtlich unweit der Abzweigung nach Hoff gelegen

[5] Dort wurde das Haus der Familie ebenfalls Opfer eines Brandes

[6] Hier wird mit den Worten des Autors  die allgemeine Bedeutung der Gründung einer freiwilligen Feuerwehr 1881 deutlich