Rund um die Waldbröler Zeitung

Die Anfänge des oberbergischen Zeitungswesens im damaligen Südkreis

 

Schon ab 1835 gab es für „die Kreise Wipperfürth, Gummersbach und Waldbröl“ das „Aggerblatt“ mit dem Untertitel „Anzeiger für die Kreise Gummersbach, Wipperfürth und Waldbröl“, ein mehr oder weniger reines Amtsblatt, aus dem wenig später (1844) das „Gummersbacher Kreisblatt“ und 1869 die „Gummersbacher Zeitung“ wurde. Es handelte sich dabei keineswegs um ein Presseorgan im heutigen Stil einer Tageszeitung. Waldbröler Nachrichten kamen darin trotz aller unternehmerischen Absichtserklärungen der ersten Nummer so gut wie nie vor.

1849 hatte der damalige Verleger des Gummersbacher Kreisblatts Friedrich Luyken, der ab 1837 auch dieses „Aggerblatt“ herausgab, einen Jahrgang lang versucht, sein Blatt als „Gummersbacher und Waldbröler Intelligenzblatt“ zu etablieren. Er kehrte jedoch, da es inzwischen eine parallele und in der Sache weitaus angemessenere Initiative des seit kurzem in Waldbröl ansässigen Druckers Wilhelm Anton Rosenkranz und des ihn fördernden Landrats Danzier gab, im folgenden Jahr schnell zu seinem alten Titel zurück.

Danzier wollte kein gemeinsames und im Nachbarkreis gedrucktes Kreisblatt, sondern ein eigenes. Er bekam es unter diesem Namen, also „Waldbröler Kreisblatt“ im Jahr 1850, als eigenständiges Nachrichtenblatt, das im Gefolge der Ereignisse von 1848 als liberales Blatt auftrat. Es holte sich - wie Otto Budde vermerkte - manche Rüge ein und damit mag zusammen hängen, dass der Landrat am 6.11. 1850 mitteilte, das Blatt erscheine nicht länger als „politisches Blatt“ (so bei Hundhausen , Anno Tubak, 1977, S. 28 ). Es erschien nach einer Unterbrechung und dem Weggang des Landrats (1852) kurze Zeit weiter in Waldbröl und vorübergehend auch in Mülheim/Rh, ehe es einen Konkurrenten und Nachfolger fand.[1]

 

Der auf Danzier folgende eher konservativ eingestellte Landrat Maurer war offensichtlich nicht unzufrieden, dass sich 1858 ein junger Drucker aus Olpe um die Einführung eines eigenen Druckerzeugnisses bewarb. Während dieses Blatt alsbald mit dem Titel „Waldbröler Intelligenzblatt“, reüssierte, ging das Blatt des Vorgängers nach wenigen Monaten parallelen Erscheinens ein. Die genaueren Umstände sind wie manches andere bisher nicht untersucht, Hundhausen notiert, Rosenkranz habe „durch eigene Schuld die meisten Kunden verloren“ (a.a.O. S.30) Auch das bedürfte einer Erläuterung. Eine ausführliche Darstellung der Anfänge ,wahrscheinlich die bisher ausführlichste,  brachte die Waldbröler Zeitung am 1.April 1927.

 

Der junge Drucker J. M. Flamm war, nach seiner in Köln 1851 beendeten Lehre und einem Berufsanfang in Olpe, 1859 nach Waldbröl gelangt, um dort im Einvernehmen mit dem neuen Landrat ebenfalls ein von Gummersbach unabhängiges, zunächst sogenanntes „Waldbröler Intelligenzblatt“ eigener Machart zu drucken, das dann ab dem folgenden Jahr 1860 in teilweiser Übernahme des Rosenkranz´schen Titels als „Waldbröler Kreis- und Intelligenzblatt“ erschien, ehe es 30 Jahre später (!), nach einer langen Zeit als inzwischen nun ebenfalls als solchem betitelten „Waldbröler Kreisblatt“ (so ab 1862) nun zur „Waldbröler Zeitung“ mit dem Untertitel "Kreisblatt" und später „Neuen Waldbröler Zeitung“wurde.

 

Waldbröls eigene Zeitungsgeschichte begann also, übergeht man die flüchtige Gummersbacher Initiative, im Jahr 1849. Wieso die Flammsche Zeitung in der hauseigenen Zählung für das eigene Blatt im Jahr 1891 auf 46 Jahrgänge kam, diese Zählung im Titel beibehielt und 1934 folglich 88 „Bände“ und einen unvollendeten 89.Jahrgang zählte, bleibt unklar. Bereits E. Hundhausen wies 1977 auf diese Unstimmigkeit hin. Es ist in den letzten Jahrzehnten wiederholt als Irrtum der Redaktion vermerkt worden. Die falsche Datierung findet sich erstmals nach dem Tod des ersten Herausgebers J. M. Flamm im Juli 1891 , begleitet von einer Titeländerung. Hatte das Blatt zuletzt (bis 1860) den Namen „Waldbröler Kreisblatt“ wie auch die Rosenkranzsche Zeitung geheißen hatte, geführt , so firmierte es unter der Leitung der Witwe Flamm nun als „Waldbröler Zeitung“. Dies erstmals ab dem 1.August 1891[2] mit der Angabe „46. Jg“, dazu versehen mit dem breiten Untertitel „Tageszeitung für Oberbergisches Land und Siegtal, Kreisblatt für den Kreis Waldbröl, amtliches Verkündigungsblatt. Ältestes Heimatblatt. Gegründet [!] 1845. Druck und Verlag Gebr. Flamm Waldbröl“. In der letzten Nummer von 1934 der inzwischen so genannten „Neuen Waldbröler Zeitung“ schreiben die Herausgeber rückblickend: „Die Waldbröler Zeitung, im Jahre 1845 von Johann Michael Flamm gegründet, hat sich – die schöne Reihe der 88 Bände beweist das – aus kleinen und bescheidenen Anfängen entwickelt “ (zitiert nach Emil Hundhausen, Anno Tubak, 1977, S. 65). „Immerhin 88 Bände“, heißt es in der letzten Nummer , die eine „schöne Reihe“ abgeben. Während der ebenso fälschliche Hinweis auf eine „Gründung 1845“ bereits vorher weggefallen war, blieb die falsche Zählung der Jahrgänge auf der alten Grundlage von 1891 bis zur Einstellung des Blattes bestehen.

Dass die falsche Zählung fortgeführt wurde, war vielleicht die Konsequenz der Routine, der seit 1891 bestehenden Praxis und des verlorenen Überblicks.

Erinnert sei auch an das Konkurrenzblatt zur Flammschen Zeitung, den ab 1903  in der Druckerei Haupt erschienenen „Waldbröler Anzeiger. Bürgerzeitung für das oberbergische Land und die Sieg-Gegend"“, der sein Erscheinen Anfang der Zwanziger Jahre einstellte. Eine kurze Beschreibung findet sich im Heimatbuch des Handwerkervereins von 1968 aus der Feder von Heinrich Wirths so wie sich auch im Bildband „Anno Tubak“ (1977) von Emil Hundhausen eine mit bunten Ausschnitten .nicht geizende Darstellung der frühen Presseentwicklung findet. Der bisher ausführlichste Überblick über die "Waldbröler Zeitungsgeschichte" findet sich bei Otto Budde in seinem 1987 erschienenen  Band über die ältesten Waldbröler Vereine "Das Dorf der Väter" (S.64–83). Diese Darstellung ist nicht nur familiengeschichtlich informativ.

Manche Nachrichten aus den Bürgermeistereien bietet um die  Mitte des 19.Jhs für den Zeitraum von etwa 20 Jahren auch die „Deutsche Reichszeitung“ (1848–1866), eine gern übersehene Quelle. Auch hier verfügt die UB Bonn wie für das Rosenkranzsche Blatt über eine Mikroverfilmung.

 

Fassen wir zusammen: Das Waldbröler Kreisblatt, die Rosenkranzsche Zeitung von 1850  bis 1855, geht weiter in Druck in Mülheim am Rhein (heute Köln-Mülheim) bis 1858. Die Flammsche Zeitung, anfangs Waldbröler Intelligenzzeitung (1859), wird „Waldbröler Kreis und Intelligenzblatt“ (1860–62) und schließlich „Waldbröler Kreisblatt“. Mit dem  Titelhinweis  "Kreisblatt"  erscheint sie 30 Jahre hindurch. Schließlich ab 1891 und nach dem Tod des Herausgebers unter der Leitung der Söhne und der  Witwe ist sie bis 1933 die „Waldbröler Zeitung", weiterhin im Untertitel das "Kreisblatt", und zuletzt unter der Konkurrenz der NS-Zeitung „Oberbergischer Bote“ kurzzeitig (und heftig angefeindet) die „Neue Waldbröler Zeitung“.

Nebenher zwischen 1903 und bis in die Zwanziger Jahre existierte der „Waldbröler Anzeiger“, eine Gründung des Druckers Christian Haupt, die sich gegenüber der „Waldbröler Zeitung“ als freier artikulierende Alternative  verstand.

 

[1] Über eine Mikroverfilmung verfügt die Bonner Universitätsbibliothek unter der Signatur ZMF 160, in- zwischen (2015) auch in diigitaler Form unter http://digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de/urn/urn:nbn:de:hbz:5:1-28512   für die Jahrgänge 1855–1858

[2] O.Budde in „Das Dorf der Väter“, S. 218 vermerkt irrtümlich ab 1.1.1896. Über die "liberalen" Anfänge äußerte sich bereits ein ausführlicher Artikel in der Beilage zur Waldbröler Zeitung Nr. 52 vom 1.4.1927 unter dem Titel "Zur Vorgeschichte der Waldbröler Zeitung"