Straßennamen, wie man sie vergibt und das Archiv als Chance

 

Im täglich jedem zugänglichen kulturellen Gedächtnis der Stadt, als das man die Straßennamen ansehen könnte, sofern die Gemeinde eine solche Sicht als Chance erkennt,  findet man aktuell u.a. Straßen, gewidmet vier der zehn Landräte, die im Ort zwischen 1816  und 1932 eine Rolle spielten.

Vorneweg der am längsten in Waldbröl Tätige, dem eine Landrat-Maurer genannte Straße für sein unvergessenes Wirken 26 Jahre hindurch gewidmet ist. Es folgen Straßen, die außer der Landrat-Danzierstraße  nur noch den Namen des Menschen tragen, der einst als Landrat sich Ruhm erwarb. So die nahe seinem Wohnhaus gelegene Gerdesstraße für den mit 16 Jahren zweitlängsten in Waldbröl vor und im Ersten Weltkrieg Tätigen, sowie die offensichtlich weniger bedeutende Otto-Eichhorn Straße für den letzten Landrat, der dem Kreis in den schwierigen Zeiten der Weimarer Republik bis zu dessen Auflösung 12 Jahre diente.

Es sind also, wenn man den problematischen Landrat Sonoré ausnimmt, der den Ort 1848 nach 15 Jahren seines Wirkens unter Protest der Bürgerschaft sang-und klanglos verließ oder den Landrat Danzier als nur kurz, aber erfolgreich Wirkenden ausnimmt, die am längsten hier Anwesenden. Das mag man so gerechtfertigt finden.

Sechs der 10 Personen nennt keine der Straßen, obwohl sie mehrere Jahre hindurch, zwischen zwei und 15 Jahre lang  dieses Amt versahen. Waren sie deshalb  unbedeutend für die Ortsgeschichte? Nicht die Dauer ihres Wirkens war offensichtlich zum Zeitpunkt der Benennung entscheidend, sondern ihre Bedeutung für die erfolgreiche Entwicklung der Stadt oder ihr Wirken in schwieriger Zeit.

Dass eine Bewertung ihrer Bedeutung von wechselnden Kriterien abhängt, will man nicht die Dauer des Wirkens zum entscheidenden Kriterium machen, unterliegt keinem Zweifel. Umso mehr stellt sich die Frage, in welchem Jahr die Namen zu Straßenbezeichnungen wurden und ob nicht der eine oder der anderen der Vergessenen aus gegenwärtiger Sicht eine Nennung verdient hätte. Dazu könnte der erste Landrat des Kreises Heinrich Joseph Joesten gehören oder der jung verstorbene Landrat Koeppen, dessen Initiative die Waldbröler u.a.  ihre bis in die Gegenwart aktive Freiwillige Feuerwehr verdanken.

Aber es sind dies alles heute nur Nebenaspekte. Hauptsache für die Straßenbenennung bleibt   die Orientierungsmöglichkeit über eine größere Zeitdauer hinweg und dazu gehört vor allem, dass ein Straßenname nur einmal im Bezirk vorkommt. Kein Wunder deshalb, dass viele Kommunen auf unverfängliche Namen ausweichen und ein Name wie Gartenstraße extrem häufig vorkommt. So hilflos eine solche Widmung auch sein mag angesichts der Tatsache, dass das kulturelle Gedächtnis sonst allenfalls im Archiv der Gemeinde eine Chance hat.