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Zur Ortsentwicklung - geschichtlich

 

Auf diesem Feld  harrt noch manches der genaueren Darstellung. Ortsentwicklung ist offenbar  eine Weile hindurch den regionalen  Schwankungen folgend  mit Ressentiments der verschiedensten Art verbunden. Das spurenhaft in Teilen der autochtonen Bevölkerung  auftretende  Ressentiment hat bei aller Ähnlichkeit  der modernen Lebensweise Wurzeln, die ins Geschichtliche reichen. Es hat Entwicklungsursachen, die in ähnlicher Form überall dort anzutreffen sind, wo die Ortsentwicklung zum Wettstreit neigt und über Jahrzehnte Probleme der Zentralität, der Dynamik und  der  Größenentwicklung entstehen. Eine genauere Darstellung fehlt.

Als Ausgangspunkt eines Vergleichs der ungleichen , vor allem wirtschaftlichen  Entwicklung der hier gewählten nur ca 30 km  auseinander gelegenen südbergischen Städte, von denen die eine Kreismittelpunkt wurde und die sich auf einer  Industriebrache in der Mitte der Stadt derzeit kraftvoll entwickelt, wird hier die Zeit um 1850 gewählt.

Während der eine, in der Mitte des heutigen Kreises und  in der Nähe der sog. Aggerschiene gelegene Ort in der zweiten Hälfte des 19.Jhs eine mäßige  Industrialisierung bis hin zur gegenwärtigen Konversion alter Industrien vor allem auf dem bis dahin wenig beachteten Textilsektor erlebte und zusätzliche Trümpfe, etwa auf schulischem Gebiet  besaß, blieb der am südlichen Rand des Bergischen gelegene  Ort im Trend einer Entwicklung, die nach Zusammenbruch des schwach entwickelten Bergbaus die alten landwirtschaftlich bestimmten Verhältnisse weitgehend beibehielt. Dass sie heute vor andersartigen Herausforderungen steht, hat sie  mit vielen Orten vergleichbarer Größe gemeinsam und verlangt neuartige Anpassungen.  Im 19.Jh. war  die wirtschaftliche Lage hier wie dort aber durchaus vergleichbar. Der Gefahr, auch in den folgenden  Jahrzehnten landwirtschaftlich bestimmt zu sein und Agrarland zu bleiben, waren beide in gleicher Weise ausgesetzt. [1]

Wichtig erscheint die lange unverbesserliche Lage in der Landwirtschaft, die überall an das unruhige und agrarisch ungünstige Naturrelief des bergischen  Südens gebunden blieb und deshalb die Nahrungsgrundversorgung der Bevölkerung nicht sicherstellen konnte. Wie die Ausführungen über die erste Ackerbauschule des Oberbergischen , eine der wenigen in Rheinpreußen, erkennen lassen, sah die Menge der kleineren Landwirte trotz der in Sachen Bewirtschaftung aufgeklärten und fortschrittlichen Angebote lange keinen Sinn, was. überall den Verfall der schulischen Angebote im frühen 19. Jh.  bewirkte[2]. Es war für die seit langem notdürftig Subsistenzwirtschaft  betreibenden Kleinbauern wichtiger, den Nachwuchs im eigenen Betrieb als Arbeitskraft zu beschäftigen als ihn regelmäßig in die Schulen des preußischen Staates  zu schicken, obwohl hier eine Welt der Bildung  auf den jungen Menschen wartete  und der Staat auf das Problem aufmerksam geworden war. Das änderte sich mit dem Aufkommen erster Winterschulen gegen Ende des Jhs und während der Ernährungskrisen des folgenden Jhs nur wenig. Karge Verdienstmöglichkeiten in der Landwirtschaft  waren das einzige, was die Gegend zu bieten hatte[3]. Erst als der Viehmarkt ab 1851 regelmäßig veranstaltet wurde und mit der Bröltalbahn ab den 70 er Jahren ferne Besucher den Ort erreichten, kam etwas wie ein Aufschwung in Gang. Dies  in einem Ort, der ansonsten von den Behörden, zahlreichen Handwerkern, Wanderarbeitern und einigen Geschäften auf Jahrzehnte hin sein Ansehen bezog. Ständiges Bemühen war es, außer der Landwirtschaft die Ansiedlung von Industrien zu fördern[4], wofür aber infrastrukturelle Voraussetzungen und Kapital weitgehend fehlten.

 Die Entwicklung in den anderen der beiden Orte unterlag in der nationalsozialistischen Ära den vergleichbaren Hindernissen der Wirtschaftspolitik, durchlebte auch wohl  zusätzlich politische Benachteiligungen, die allerdings ihre Größenentwicklung nicht behinderte.. Sie  erlebte später  auf andere Weise  die Vorzüge unternehmerischer Initiative und klomm trotz deutlicher Rückschläge, von Verwaltungsreformen und dem Sport begünstigt,  beherzt an die Spitze der Städte in der Region.

 

 

[1] Beiträge zur oberbergischen Geschichte , Heft 2, 1989  vergr.

[2] Vgl. Beiträge zur oberbergischen Geschichte Heft 10, 2010

[3] Budde, Otto, Waldbröl, wie es wurde, was es ist , Gummersbach 1981, S. 114 ff.  Vorher Lagebericht 1846, BM Becker S. 76 ff.

[4] Ders. S. 298